Über Kunst reden, aber wie?

 

Christian Demands Einleitung zum Text die Beschämung der Philister liest sich genussvoll. Mit ungewohnter Direktheit entlarvt er die Texte von KunstkritikerInnen als Phrasendrescherei die «denkbar unglücklich zwischen lyrischem Ansingen und bizarrer Parawissenschaft» oszillierten. Auch erhellend ist die Anekdote, die die Kunstkritikerin Noemi Smolik aus der Redaktion einer Kunstzeitschrift zu berichten hat. Dass die KritikerInnen nicht mal die eigenen Sätze richtig verstehen würden ist kaum zu glauben. Und doch kann man sich ein kleines «Ha, dacht ichs mir doch.» nicht verkneifen. Allzu oft hält man an Ausstellungen Saaltexte in der Hand, die einem die zu betrachtenden Werke näher bringen sollten, deren Sinn man aber auch nach mehrmaligem durchlesen höchstens erahnen kann. Klar, solche Texte tragen sicher dazu bei, dass die Kunst ihren Nimbus als etwas Erhabenes, etwas Unantastbares bewahren kann. Und auch der Vermarktung auf dem Kunstmarkt scheinen solche Texte nicht abträglich zu sein. Ob es jedoch der Kunst tatsächlich weiter hilft, wenn ein Grossteil der Besucher beschämt die Ausstellung verlässt, weil sie weder die ausgestellten Werke so richtig fassen noch den verschwurbelten Saaltext verstehen konnte bleibt zu bezweifeln. 

Ich meine über Kunst soll geredet werde. Aber wie? Im Studium lernen wir in Werkdiskursen, wie über Kunst geredet werden könnte. Aber auch diese Gespräche in Anwesenheit der Autorin oder des Autors sind gar nicht so einfach zu führen. Kritisch wird es, wenn ich als Betrachter nicht so viel mit dem Werk anfangen kann. Hab ich es dann einfach nicht richtig verstanden? Oder kann es sein, dass es auch einfach (noch) nicht gut ist? Dass das Werk nicht gelungen ist. Und darf man das dann sagen? Klassische Feedback-Regeln lauten, dass man sowohl positives als auch negatives Feedback geben soll. Also was funktioniert schon gut und wo sieht man noch Verbesserungspotential. Und selbstverständlich ist das Feedback immer eine eigene Meinung und hat nicht den Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Aber in einer Ausstellung einer Künstlerin zu sagen:«Den Teil da find ich toll, sehr gelungen, aber da seh ich noch Verbesserungspotential.» Irgendwie unvorstellbar. Aber warum eigentlich nicht? In meiner Arbeit als Designer bin ich es mir gewohnt, die eigenen Ideen im Team aber auch vor Kunden zu präsentieren und gemeinsam zu entwickeln. Feedback ist dabei ein zentrales Mittel um einen Entwurf weiter zu bringen. Dabei kann Feedback von anderen Fachpersonen genauso hilfreich sein wie jenes von Laien. Wieso soll man also nicht auch einen künstlerischen Prozess als Entwurfsprozess verstehen der durch kritisches Feedback von unterschiedlichsten Seiten weiter gebracht werden kann. Und ein Werk nicht als etwas vollendetes und damit unantastbares sondern als ein Versuch, ein Entwurf, eine These deren Richtigkeit es im Diskurs zu prüfen gilt. Ein Kunstwerk als Motzvorlage, quasi.