Artistic Research. 
Denn Sie wissen nicht, was sie tun.

 

Nach dem Seminar über die künstlerische Forschung oder Neudeutsch Artistic Research stellt sich mir ernsthaft die Frage, ob KünstlerInnen überhaupt wissen, was sie da tun. Dass ein Künstler nun auch Forscher sein soll erscheint mir eher als Kollateralschaden der im Zuge der Bolognalisierung sprich Akademisierung aller möglicher Tätigkeitsfelder und damit auch der Künste billigend in Kauf genommen wird. Da bin ich froh bei der nachträglichen Lektüre festzustellen, dass auch Anke Haarmann in ihrem Essay über die künstlerische Praxis als methodische Forschung auf diesen Umstand zu sprechen kommt wenn sie meint:«Künstlerische Forschung benennt Hochschulprogramme, in denen Künstlerinnen und Künstler akademische Abschlüsse machen sollen…» Dass also das Aufkommen der künstlerischen Forschung mehr einem politischen Willen als einer im Wesen der Kunst verankerten Notwendigkeit entspricht ist nicht von der Hand zu weisen. Interessant in diesem Zusammenhang finde ich jedoch die Feststellung, dass KünstlerInnen offenbar nicht so genau wissen, worin ihre Tätigkeit überhaupt besteht. Frühere KünstlerInnen schufen Werke, also war „schaffen“ wohl das richtige Tätigkeitswort. Aber, und darauf verweist auch Haarmann, spätestens seit dem Aufkommen der Konzeptkunst im 20. Jahrhundert greift diese Vorstellung einer künstlerischen Praxis viel zu kurz. Wie also soll man einen künstlerischen Reflexionsprozess benennen? Ist es eine Auseinandersetzung, ein Thematisieren, ein Beobachten oder ein Dokumentieren? Soll man von künstlerischer Praxis sprechen? Oder von Kunstproduktion? Sind KünstlerInnen also ProduzentInnen? Oder arbeiten KünstlerInnen gar nicht, sondern haben sie nur Positionen? 

Die Problematik besteht auch darin, dass, wenn man einen künstlerischen Prozess als so etwas wie eine Produktion versteht, die logische Folge und damit auch das Ziel des Prozesses die Schaffung eines Produktes sein muss, in dem sich im Sinne einer klassischen Kunstbetrachtung die Erkenntnis aus dem künstlerischen Reflexionsprozess ästhetisch manifestiert. Oder in den Worten von Haarmann:«Erkenntnisse stehen am Ende von Reflexions- und Forschungsprozessen, wie Werke am Ende von künstlerischen Produktionsprozessen.» Während Haarmann in der Folge richtigerweise darauf hinweist, dass damit der Prozess der künstlerischen Praxis selber in der Ästhetik ausgeblendet wird, stell ich mir die Frage, ob denn ein Werk als Produkt einer künstlerischen Arbeit nicht auch der Beginn eines Reflexionsprozesses darstellt und damit nicht das Ergebnis dessen sondern vielmehr die Bedingung dafür sein kann.