Über Anästhetik in der Fotografie.

 

Nicht nur, dass wir heute in einer Welt leben die geprägt ist von einer medienflut und wohl täglich mehr ästhtetische Artefakte produziert werden, als ein Mensch in seinem ganzen Leben betrachten kann. Unsere Zeit ist auch vermehrt von Phänomenen bestimmt, die nicht mehr ästhetisch erfahrbar sind. In Fukushima explodiert ein Atomkraftwerk und verseucht ganze Landstriche und wohl einen halben Ozean mit radioaktivem Material und die einzigen Zeugen sind die knatternden Geigerzähler die den Menschen vor einer Gefahr warnen sollen, die er weder sehen, noch hören, weder riechen noch spüren kann. Ein globalisierter Finanzmarkt bestimmt mit virtuellen und unsichtbaren die Realwirtschaft eines ganzen Planeten und wenn ein Banker in London oder Zürich im falschen Moment auf den falschen Knopf drückt werden aus ein paar roten Zahlen auf einem Bildschirm plötzlich eine weltweite Finanzkrise die ganze Staaten in den Bankrott treiben kann. 

Wie soll man als Künstler, wie soll man als Fotograf darauf reagieren? Wie können die zunehmend unsichtbaren Phänomene sichtbar gemacht werden? Und soll man der Bilderflut tatsächlich noch weitere Bilder hinzufügen. Muss die Antwort auf eine Welt, die sich in ästhetischen Artefakte und Reproduktionen ihrer selbst aufzulösen beginnt eine anästhetische sein? Führt die Überproduktion von Ästhetik nicht zwingendermassen zu einer Anästhetik? 

Als Fotograf wird man dem Handicap nicht entkommen. Denn was bleibt einem schon anderes übrig, als Bilder zu produzieren. Dass dabei, zumindest wenn digital fotografiert wird nicht einmal Bilder entstehen sondern nur digitaler Code macht den Makel umso schlimmer. Der Ausweg könnte über eine anästhetische Fotografie führen oder über eine fotografische Anästhetik. Wie das gehen könnte haben KunstkritikerInnen wie Rosalind Krauss oder Fabian Stech versucht zu ergründen. So fordert Krauss eine Befreiung vom latenten Druck des Realen, um sich kritisch von der Bildwirkung eine Fotografie distanzieren zu können. Und mit den Worten von Fabian Stech könnte man passend ergänzen: «Erst wenn es nicht mehr viel zu sehen gibt, wird das sehen auf das Denken zurück geworfen.» Das heisst es bräuchte eine Fotografie, die nicht nur betrachtet, sondern die gedacht werden kann.