Für mehr Porno (oder Pokemon)
in der Kunst.

 

«Die Negation des niederen, groben, vulgären, wohlfeilen, sklavischen, mit einem Wort: natürlichen Genusses, diese Negation, in der sich das Heilige der Kultur verdichtet, beinhaltet zugleich die Affirmation der Überlegenheit derjenigen, die sich sublimierte, raffinierte, interesselose, zweckfreie, distinguierte, dem Profanen auf ewig untersagte Vergnügen zu verschaffen wissen. Dies der Grund, warum Kunst und Kunstkonsum sich - ganz unabhängig vom Willen und Wissen der Beteiligten - so glänzend eignen zur Erfüllung einer gesellschaftlichen Funktion der Legitimierung sozialer Unterschiede.» Die Erkenntnis zu der Pierre Bourdieu in seiner Analyse des kulturellen Konsums und Kunstgeschmacks (“Die feinen Unterschiede, Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft“) gelangt ist gleichsam erhellend wie erschütternd. Dass der Kunst etwas unangenehm elitäres anhaftet ist wahrlich nichts Neues und wer daran zweifelt kann sich bei einem Besuch im Kunsthaus oder besser bei einer Vernissage in einer angesagten Zürcher Galerie aufs Neue davon überzeugen lassen. Auch die Diskussionen über Hafenkräne oder goldene Schissihüsli in der Zwinglistadt lassen den Graben zwischen dem angeblichen Volk und einer vermeintlichen (oder tatsächlichen?) Kunst- (oder Gesellschafts?)elite erahnen. Nein, das Erschütternde ist die Schlussfolgerung, dass dieses Trennende, Diskriminierende, der Kunst inhärent sein soll und sich unabhängig vom Wissen und Willen der Beteiligten manifestiert. Was also bedeuten würde, dass ich mich als Künstler noch so sehr für eine Demokratisierung aussprechen kann, die Werke jedoch unabhängig von einer gegenteiligen Intention dem Zweck dienen, die sozialen Unterschiede in der Gesellschaft zu legitimieren. 

Kann es also gar keine demokratische Kunst geben? Ist jede Kunst, die im Sinne Bourdieus den natürlichen Genuss bejaht, die sich mit Freude im Bereich des ordinären Konsums bewegt gleichKitsch oder Kommerz? Oder bräuchte es nicht wieder mehr Alltag in der Kunst? Mehr banales Leben? Mehr Ikea oder mehr Ottos Warenposten? Mehr Tupperware und Versandkataloge? Mehr Zalando und H&M? Mehr Coca-Cola und Fussball? Mehr Walt Disney oder Mc Donalds? Mehr Porno oder Pokemons? Mehr Provinz halt? Und zwar nicht als rebellische Pose um medienwirksam eine subversive Künstlerposition zu vertreten. Sondern weil unser banaler Alltag eben unser Leben ist.