Combinig Random Things.


 

Wie soll man die starren Strukturen der Moderne auflösen, ohne sich im Potpourri der Postmoderne zu verlieren? Und ist der Zufall nicht einfach belanglos? Zwei Fragen, die mich im Nachgang zum Seminar über die Postmoderne begleiten.

Die Postmodernen Künstler sind nicht die ersten die den Zufall als kreatives Potential umarmen. Immer wieder verbünden sich Kunstschaffende in einer amour fou mit dem Zufall. Doch während sich die Dadaisten in die Sinnlosigkeit des Zufalls verabschiedeten, um einer entarteten Weltpolitik die sich in ebenso sinnlosen Stellungskriegen manifestierte den Spiegel vor zu halten oder einfach nur zu entfliehen, beschleicht mich beim Betrachten von Werken in denen der Zufall steckt nicht selten der Verdacht, dass dieser dem Künstler bloss dazu dient, sich vor einer Entscheidung zu drücken. Vielleicht sind ihm auch einfach die Ideen ausgegangen. Ja, schon klar. Auch die Postmodernen haben Ihre Gründe, mit dem Zufall zu flirten. Als Reaktion auf eine Moderne, die auf eine komplizierte Realität mit Rationalität und scharfer Logik reagiert und versucht diese zu bändigen und alles an den richtigen Ort zu bringen, die mit Ordnungssystemen und DIN-Normen alles in Schubladen zwängt bis vor lauter Zwängerei keine Bewegungsfreiheit mehr übrig ist, als Antwort auf ein solches System da kommt der Zufall wie gerufen. Einfach den ganzen Setzkasten mal wild schütteln und schauen was dabei rauskommt. Den Zufall und nicht die Ratio, die Welt zeichnen zu lassen – was für eine Befreiung nach dieser kognitiven Überforderung die ganze Welt mit unserem beschränkten Geist verstehen zu wollen. 

Und jetzt? Was tun mit dem ganzen Chaos das uns der Zufall beschert. Was sollen wir damit Anfangen, wenn sich nun unter der Ägide des Zufalls eine Nähmaschine und ein Regenschirm auf einem Seziertisch treffen. Ist das wirklich so schön wie Lautréamont meint. Und zu welcher Art von Erkenntnis soll uns dieses Potpourri nun führen. Vielleicht, dass es gar nicht um Erkenntnisgewinn geht?  Aber ist diese neue Realität, in der starre Strukturen aufgelöst sind, in der alles überall sein kann, diese Anything-Goes Realität nicht eine noch grössere Überforderung für den Menschen? Oder einfach der Weg in die Belanglosigkeit?

«Der Zufall ist ein ambivalentes Ereignis.» schreiben Claudia Marion Stemberger & Isabel Exner in ihrem Text ‹Schwindel der Postmoderne.› «Während er [der Zufall] in Naturgewalten und Unfällen als Störfall beängstigt, haben sich Kunst, philosophisches Denken und Wissenschaft seit der frühen Moderne sein Unordnungspotential als generative Potenz, als innovatives Prinzip und als eine Figur des Anfangs zu eigen gemacht, die ungeahnte Spielräume eröffnet.» Wenn Stehrenberger und Hexner den Zufall als ein innovatives Prinzip, eine Figur des Anfangs beschreiben, könnte das ein möglicher Ausweg aus der Belanglosigkeitsfalle sein. Der Zufall kann festgefahrene Denkweisen aufbrechen, neue Türen aufstossen, anregen zum anders denken. Aber, er steht bloss am Anfang. Es reicht eben nicht, eine Nähmaschine und einen Regenschirm aufeinander prallen zu lassen und sich an der Schönheit des zufälligen Ereignisses zu erfreuen. Um weiter zu kommen, müssen wir den Faden auch weiter spinnen und nicht nur auf den Zufall sondern auch auf unseren – wenn auch beschränkten – menschlichen Geist vertrauen.

Bezogen auf die Kunst stellt sich dann noch die Frage wer dieses weiterspinnen übernehmen soll, der Künstler oder der Betrachter?