PLACES TO VISIT BEFORE I DIE

Westfjords, Iceland.

Spitsbergen, Norway

Tierra del Fuego, Argentina

Torres del Paine, Chile

Porto, Portugal

New York, USA


 

«While it once seemed that pictures had the function of interpreting reality, it now seems that they have usurped it.»

Douglas Crimp for Pictures at Artists Space in New York ,1977

 

 

Bilder die die Welt nicht mehr interpretieren, sondern sie gleich ganz ersetzen. Was Douglas Crimp 1977 konstatierte ist heute augenscheinlicher denn je. Das Internet produziert und aggregiert gigantisch Mengen an Bilddaten. Allein Instagramm verzeichnete im Jahr 2014 60 Millionen Fotouploads pro Tag. Und dank WiFi, 4G und mobilen Endgeräten sind die Inhalte jederzeit und überall verfügbar. Satelitten kartografieren die Welt in immer besserer Auflösung. Dank Google Maps kann jeder Winkel auf der Erde virtuell bereist werden. Und wo die Auflösung der Satelitenaufnahme an Grenzen stösst übernimmt Google StreetView und bringt den Besucher auf den Boden. Egal ob der Times Square in New York, die abgelegenen Fjorde Islands oder die Skigebiete der Schweizer Alpen. Kaum ein Ort kann sich noch von den Google Kameras verstecken. Und wenn vielleicht noch in diesem Jahr die grossen Player im Elektronikfachmarkt ihre Virtual Reality Brillen präsentieren wird noch deutlicher, wie weit Bilder in der Lage sind, die reale Welt komplett zu ersetzen. 

Willkommen in der schönen neuen Welt. Nur, es entsteht eben nicht nur EINE neue Welt, sondern die Bilder generieren unzählige neue Realitäten. Einige sind ziemlich deckungsgleich, andere wie Tag und Nacht. Wer hat auf Reisen nicht auch schon erlebt, dass die Erwartungen von der Destination und die vorgefundene Realität irgendwie nicht so recht zusammen passen. Zu schön waren die Bilder im Reisekatalog. Zu romantisch die Vorstellung vom einsamen Häuschen am Sandstrand. Selbstverständlich ist man da nicht so alleine, wie die Bilder versprochen hatten. Die Realitäten prallen aufeinander und allzu oft kann die vorgefundene Realität nicht mit der imaginierten mithalten.  
Wieso also überhaupt noch reisen. Wieso nicht einfach die Wunschdestinationen mit Google besuchen. Reiseberichte lesen, Videos anschauen, Souvenirs im Internet bestellen und lokale Spezialitäten dank How-To-Do Videos gleich selber nach kochen. Ist doch viel bequemer und günstiger. Und unliebsame Überraschungen bleiben erspart oder können schnell weggeklickt werden.

Das ist nicht authentisch? Natürlich nicht. Und beim Reisen geht es je gerade darum, Neues, Unerwartetes zu entdecken? Selbstverständlich. Dass das virtuelle Reisen als Ersatz für «echtes» Reisen nicht wirklich taugt leuchtet ein. Da können all die Bilder, 360°- und 3D Aufnahmen noch so gut sein, die richtige Welt ersetzen können sie nicht. Und trotzdem, es besteht die Gefahr, dass Bilder wichtiger werden als die reale Welt. Oder zumindest wichtiger als sie sein sollten. Denn wenn wir uns vor einer Reise bereits mit all den Bildern aufladen, sind wir dann überhaupt noch in der Lage, die Welt mit eigenen Augen zu sehen. Oder dient die Reise dann nicht nur dazu, all die Bilder die wir bereits im Kopf haben nur noch zu bestätigen? Ob wir das wollen oder nicht? Und gilt das nicht nur für das Reisen, sondern für das ganze Leben?


PS: Warum fotografieren alle Touristen in Paris den Eiffelturm? Wenn etwas unnötig ist, dann ein weiteres Bild vom Eiffelturm.